Zacharias Conrad and Johann Friedrich von Uffenbach visit Maria Sibylla Merian, February the 23rd, 1711
additions and alterations from the original manuscript in Göttingen in red

[ms. p. 475] Den 23. Febr. Montags Morgens machten wir den Anfang, etwas rechtes allhie[r] zu sehen. Dann weil[en] erstlich wegen grosser Kälte (zumal da man allhier keine warme Stuben hat) niemanden zuzumuthen war, uns ein Cabinet, Bibliotheck, oder sonst etwas zu zeigen, auch überdas unser Bedienter an einen Fluss bisher Krank gelegen, mithin wir uns nirgend ansagen lassen konnten, haben wir nirgend füglich hinkommen können. Wir nahmen also noch einen Lehn-Laquayen an, die Woche vor sechs [= 6] Gulden; und weil[en] das Wetter noch schlecht war, dungen wir eine Schlee, des Tages vor zwey und einen halben [= 2 1/2] Gulden. Wir liessen uns diesen Morgen erstlich zu Herrn Meel führen, der sich aber entschuldigen liess. Wir führten also zu [der] Frau Merian, in der Kerck straet tusschen de Leidse en de Spiegelstraet. Sie ist VZ dia banden Uffenbachteine gebohrne Frankfurterin, und des berühmten Matthaï Merans Tochter. Sie ist erstlich an einen Perspecitiv-Mahler Graff zu Nürnberg v[= g]erheirathet gewesen, da es ihr aber übel und kümmerlich gegangen. Nachdem sie zehen [= 10] Jahr in Nürnberg gewohnt, und ihr Mann ge[ver]storben, ist sie in Holland gegangen, [ms. p. 476] anno 1690. aber hat sie sich entschlossen [= resolvirt] mit ihrem Tochter man und Enkel nach Surinam in West-Indien zu gehen, da sie auch anderthalb Jahr gewesen, und, wann sie die Hitze und Landes-Art hätte ertragen können, geblieben wäre. Sie hat ihr einziges Vergnügen versucht, die schönen Papillons, Pflanzen und andere Geschöpfe aufzusuchen, und nach dem Leben abzumahlen. Sie ist bey zwey und sechzig [= 62.] Jahr alt, aber noch [‘nicht’ striked out] gar munter [= rustig], und eine sehr höfliche manierliche Frau, sehr künstlich in Wasserfarben zu mahlen, und gar fleissig. Sie zeigte uns erstlich ein Buch mit etwa fünfzig [= 50.] Figuren auf Pergamen[t], mit Wasserfarben nach dem Leben unvergleichlich gemahlt. Es waren lauter Thiere, so sie in Surinam gesehen [= observirt]. Zweytens einen dicken Band, da sie alle die Sachen, so Rumphius beschrieben, nach dem Leben gemahlt hat, wie auch die Originalien von ihrem eigenen Wercke, so sie von Insecten heraus gegeben [= edirt]. Drittens ein sehr grosses und über Hand dickes Volumen, in welchem allerhand so wohl ausländische als Europäische Pflantzen und Früchte, auch nach dem Leben gemahlt, alles auf Pergament. Viertens zeigte sie uns ihr eigen Werk von [p. 477] Surinamischen Insecten, so sie selbst gar sauber nach dem Leben illuminiert; wie auch ihre zwey kleine Werke in 4. von Insecten, davon sie das meiste [= erste] in [554] Frankfurt, und das andere in Nürnberg edirt, auch Illuninirt [hat]. Zu diesen hat diese fleissige Frau die Platten alle selbst[en] gestochen. Ich kauffte diese ihre Werke von ihr, und musste ihr vor das grosse, das sonst nur fünfzehn Gulden [= 15. G] kostet, weil sie es selbst[en] mit grossem Fleiss illuminirt hat, fünf und vierzig Gulden [45. G], und vor die beyden kleiner zwanzig Gulden [= 20 G.], die sonst nur fünf Gulden [= 5 G.] kosten [, bezahlen]. Sie musste mir ihren Namen mit eigner Hand hineinschreiben. Ich kauffte auch etliche Originalia von ihr.

transcription: Bert van de Roemer